Fans und Supporters Wolfsburg stellen sich hinter Fabian Reese und fordert mehr Fairness im Umgang mit Profifußballern
Wolfsburg, 31. August 2026 – Pfiffe, Unmutsbekundungen und emotionale Reaktionen gehören zum Fußball. Sie sind Ausdruck der Leidenschaft, die diesen Sport ausmacht. Doch dort, wo Kritik in persönliche Beleidigungen, Hass und gezielte Herabwürdigung umschlägt, ist eine Grenze erreicht.
Die Fans und der Dachverband Supporters Wolfsburg e.V. siehen diese Grenze im Umgang mit Fabian Reese deutlich überschritten und stellen sich klar hinter den Wolfsburger Offensivspieler.
Fabian Reese wechselte im Sommer von Hertha BSC zum VfL Wolfsburg. In Berlin war er Publikumsliebling, Identifikationsfigur und Sinnbild für Einsatzbereitschaft und Leidenschaft. Dass sein Wechsel insbesondere aufgrund des neuen Vereins bei Teilen der Hertha-Anhängerschaft für Enttäuschung und Unmut sorgt, ist nachvollziehbar. Emotionen gehören zum Fußball.
Nicht nachvollziehbar ist jedoch, wenn aus Enttäuschung persönlicher Hass wird.
Dabei wird aus unserer Sicht insbesondere ein entscheidender Aspekt ausgeblendet: Reese hat selbst darauf hingewiesen, dass ihm seitens des Vereins ein Wechsel nahegelegt worden sei. Eine differenzierte Betrachtung der Situation scheint dennoch vielfach nicht gewünscht. Stattdessen wird in Kategorien von „schwarz oder weiß“ gedacht – genau jene Haltung, die Fabian Reese selbst angesprochen hat.
Spieler sollen sich identifizieren – und werden dafür bestraft, wenn sie gehen
Der Fall Reese wirft aus unserer Sicht eine grundsätzliche Frage auf: Wir Fans wünschen uns Spieler, die sich mit ihrem Verein identifizieren, Leidenschaft zeigen und alles für das Trikot geben. Fabian Reese hat genau das in Berlin getan.
Was aber passiert, wenn ein solcher Spieler den Verein verlässt?
Im millionenschweren Profifußball sind Vereinswechsel ein normaler Bestandteil des Geschäfts. Dennoch werden Spieler, die zuvor für ihre Identifikation und ihre Emotionalität gefeiert wurden, nach einem Wechsel nicht selten zum Feindbild. Damit schaffen wir ein Umfeld, in dem sich Fußballprofis zunehmend fragen müssen, ob es überhaupt noch ratsam ist, Persönlichkeit zu zeigen und offen zu kommunizieren.
Die Folge ist ein Fußball, in dem immer mehr Spieler angepasst auftreten, möglichst wenig Angriffsfläche bieten und kaum noch einen Satz sagen, der nicht zuvor mit einer Presseabteilung abgestimmt wurde.
Das kann nicht im Interesse der Fans und des Fußballs sein.
Verantwortung darf nicht auf dem Rücken eines Spielers ausgetragen werden
Auch Hertha BSC steht aus unserer Sicht in der Verantwortung. Der Verein hätte die Möglichkeit gehabt, die Situation kommunikativ zu begleiten und einzuordnen. Stattdessen entstand der Eindruck, dass der Spieler mit den Folgen des Wechsels weitgehend allein gelassen wurde.
Dabei waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Vereins bei der Entscheidung über Transfers von erheblicher Bedeutung. Einnahmen aus Spielerverkäufen waren für Hertha BSC angesichts der finanziellen Situation von großer Relevanz und dienten auch dazu, mögliche Sanktionen zu vermeiden.
Umso unredlicher wäre es, wenn die daraus resultierende öffentliche Auseinandersetzung nun auf dem Rücken eines einzelnen Spielers ausgetragen würde.
Wer Verantwortung für einen Verein trägt, muss auch bereit sein, die eigenen Entscheidungen und das eigene Management kritisch zu hinterfragen.
Fußball braucht Emotionen – aber auch Grenzen.
Wir erinnern uns an die Diskussionen, die nach dem Tod von Robert Enke durch die Fußballwelt gingen. Damals wurde eindringlich darüber gesprochen, besser aufeinander zu achten, respektvoll miteinander umzugehen und Grenzen im Umgang mit Fußballspielern nicht zu überschreiten.
Die Situation um Fabian Reese ist selbstverständlich nicht mit der damaligen Situation vergleichbar. Dennoch stellt sich die Frage, was aus den damaligen Appellen geblieben ist, wenn Spieler heute für ihre Offenheit und ihre persönlichen Einblicke in die eigene Gefühlswelt mit Hass und Beleidigungen konfrontiert werden.
Fabian Reese hat die Offenheit besessen, über seine Gefühle und seine Situation zu sprechen. Das ist im heutigen Profifußball keineswegs selbstverständlich. Dass diese Offenheit anschließend zum Anlass genommen wird, ihn öffentlich zu diskreditieren, ist aus unserer Sicht beschämend.
Besonders deutlich wird dies auch in sozialen Netzwerken, wo teilweise jede Grenze des respektvollen Umgangs überschritten wird. Hass und Hetze scheinen zunehmend gesellschaftsfähig zu werden. Diese Entwicklung wollen und werden wir nicht akzeptieren.
Der Supporters Wolfsburg e.V. steht hinter Fabian Reese!
Wir lieben Fußball. Wir lieben Emotionen. Wir lieben es, wenn unser Verein gewinnt. Und wir schätzen Spieler, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben und sich mit ihrer Aufgabe identifizieren.
Fabian Reese ist genau das: ein Profifußballer, der seinen Beruf lebt.
Wir respektieren seine Entscheidung für den VfL Wolfsburg und sind froh, dass er nun Teil unserer Mannschaft und unserer grün-weißen Gemeinschaft ist.
Deshalb sagen wir klar:
Fabian, die Fans stehen hinter dir!
Wir hoffen, dass du – wie zuletzt in Karlsruhe – auch künftig deine Antwort auf dem Platz gibst. Nicht mit Worten, nicht mit Social-Media-Debatten und nicht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, sondern mit dem, was du am besten kannst: Fußball spielen.
Uns ist bewusst, dass auch deine Zeit beim VfL Wolfsburg eines Tages enden kann. Profifußball ist Veränderung. Doch solange du das grün-weiße Trikot trägst, bist du einer von uns.
Einmal Wolfsburg, immer Wolfsburg!
Supporters Wolfsburg e.V.