Gemeinsam gegen Montagsspiele

Aktuell beschäftigt ein Thema viele Fans der Frauen-Bundesliga:

Montagsspiele. Immer mehr Fans demonstrieren dagegen, da diese Termine nicht familienfreundlich sind und es schwer machen, die Spiele live im Stadion zu verfolgen. Um euch besser zu informieren und zu um zu verstehen, worum es genau geht, haben wir dem Netzwerk Frauen-Bundesliga ein paar Fragen gestellt. Wir wollen damit klären, welche Herausforderungen es gibt und welche Alternativen möglich sein könnten.

Wir danken dem Netzwerk herzlich für die tolle Zusammenarbeit und die offenen Gespräche. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass die Stimme der Fans gehört wird und die Frauen-Bundesliga weiter wächst – für alle, die sie lieben.

Eure Supporters Wolfsburg e.V.

 

Warum organisieren sich gerade jetzt so viele Fans gegen Montagsspiele in der Frauen-Bundesliga? Welche konkreten Nachteile bringen Montagsspiele für Fans, Spielerinnen und die Atmosphäre im Stadion?

Wir Fans der Frauen-Bundesliga protestieren gerade gegen die zunehmende Ansetzung von Spielen am Montagabend, weil diese Termine oft mit Arbeitszeiten, langen Anreisen und eingeschränktem öffentlichen Verkehr kollidieren und damit den Stadionbesuch deutlich erschweren. Gerade in Großstädten ist es zu dieser Uhrzeit besonders schwer, pünktlich zum Anpfiff im Stadion zu sein. Dadurch fällt nicht nur vielen Anhängerinnen und Anhängern der Besuch schwerer, sondern es leidet auch die Atmosphäre im Stadion, da weniger aktive Fans und Auswärtsfahrer dabei sind. Außerdem sehen wir als Kritiker: innen in den Montagsspielen eine Bevorzugung von kommerziellen TV-Interessen gegenüber der traditionellen Wochenend-Fankultur, was die Stimmung und Identität der Liga gefährden könnten. Dies machen wir besonders daran fest, dass die Montagsspiele erst zu dieser Saison zeitlich nach vorne geschoben wurden, damit Sport 1 weiterhin übertragen kann.

 

Der DFB/DFL argumentiert, Montagsspiele seien für TV-Quote und Sichtbarkeit nötig. Warum haltet Ihr das für falsch? Würdet Ihr sagen, dass die Frauen-Bundesliga ohne Montagstermine „unsichtbar“ bleibt – oder gibt es bessere Lösungen?

Ich halte das Argument der DFB/DFL, Montagsspiele seien zwingend für TV-Quote und Sichtbarkeit, für zu einfach gedacht. Dass man in der Frauen-Bundesliga jetzt nicht einmal an klassischen Montag -19:30- Zeiten festhält, sondern Spiele auf 18:00 Uhr verlegt, zeigt, wie sehr es oft nur um einen Spielball zwischen Senderinteressen und Verbandsvermarktung geht – ohne Rücksicht darauf, wie Zuschauer, Fans und Spielerinnen den Spieltag tatsächlich erleben. Der Montag, so der DFB, sei ein Alleinstellungsmerkmal, da an diesen Tagen sonst kein Fußball gezeigt wird. Fans des Frauenfußballs, würden das am Montag gezeigte Spiel allerdings mit sehr Hoher Wahrscheinlichkeit auch am Wochenende zu einer Zeit schauen, an der 2. Bundesliga oder Bundesliga gezeigt wird. Denn auch am Wochenende wird via Pay-TV die Google Pixel Frauenbundesliga gezeigt.

Das ist ein starkes Indiz dafür, dass es bessere Lösungen gibt, um Sichtbarkeit zu schaffen, ohne die Fankultur zu kompromittieren: z. B. attraktive Anstoßzeiten am Wochenende, eine bessere Staffelung der Fernsehübertragungen und gezielte Promotion von Schlüsselspielen.

 

Männer-Bundesliga-Spiele wurden nach Fanprotesten vom Montag verbannt. Warum gilt das nicht für die Frauen? Spielt aus Eurer Sicht eine strukturelle Geringschätzung des Frauenfußballs eine Rolle?

Wir vermuten Sie haben mehr Angst durch die Proteste befürchtet, und sind daher leicht eingeknickt. Die Stadien in der Bundesliga sind größer, dadurch wird von mehreren Menschen gleichzeitig protestiert und es ist nicht so schnell herauszufinden, von welchen Personen die Tennisbälle, Schokotaler etc. geworfen werden. Im Frauenfußball ist alles noch etwas übersichtlicher. Da versuchen wir natürlich uns auf andere Art und Weise zu protestieren und uns Gehör zu verschaffen. Unser Ziel ist klar: auch wir möchten schauen, dass die Montagsspiele zur Saison 27/28 aus dem Programm verschwinden und bei der FBL und dem DFB unsere Argumente anzubringen. Durch die jährlichen Treffen beim Fankongress und unseren regelmäßigen Austausch als Orga- Team des Fannetzwerk FF mit dem Team Fanbelange des DFB, ist es uns möglich, die Interessen der Fans immer wieder anzusprechen. Aber auch in diesen Treffen, gibt es im Nachgang immer wieder die Fragen, ob sich das Team Fanbelange mit Motivation und echtem Interesse uns gegenüberstellt, oder ob diese Aufgabe übernommen wird, da es ein Teil ihrer Arbeit ist. Es entsteht immer wieder der Eindruck eines geringeren Interessens an den Fans, als es beim „Fußball der Männer“ gibt.

Das sich der Frauenfußball hintenanstellen muss, zeigt sich alleine darin, dass seit Jahren zuerst die 3. Liga terminiert wird, bevor der Spielplan der Frauen veröffentlicht wird. Dies muss sich definitiv innerhalb des DFB ändern, denn wenn der DFB an der Sichtbarkeit und der Wichtigkeit und damit dem Stellenwert des Frauenfußballs nichts ändert, kann die Öffentlichkeit nicht hinterher ziehen. Der Fisch stinkt am Kopf, heißt es so schön.

 

Welche Spieltage wären aus Fan-Sicht besser geeignet (z. B. Samstag Nachmittag, Sonntag)? Wie könnte die Liga attraktiver vermarktet werden, ohne die Fans zu vergraulen?

Durch die Aufstockung der Liga, ist uns allen bewusst, dass wir nicht nur am Samstag und Sonntag spielen können, wie es noch vor ein paar Jahren gewesen ist. Zuerst können wir sagen froh zu sein, dass der Anpfiff nicht mehr um 10 Uhr oder 11 Uhr ist. Mit einem Freitagsspiel kann man sich als Fan noch arrangieren. Als Orga Team befinden wir uns aktuell in einer Phase, dem DFB entgegen zu kommen und unsererseits Vorschläge von Anstoßzeiten und Möglichkeiten aufzuzeigen, ohne an einem Montag zu spielen. Letztes Jahr hatten wir schon Gespräche über eine mögliche Konferenz geführt, die leider seitens des DFB abgeblockt worden sind. An diesem Thema werden wir aber weiterhin dranbleiben.

Es gibt viele Möglichkeiten einen Spielplan interessant aufzubauen, aber unsere aktuellen Ideen werden wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht offenlegen.

Die Liga könnte interessanter Vermarktet werden, in dem es mehr Plakate in den Städten gibt, Werbung in den Stadien der Bundesliga gemacht wird, oder in dem es regelmäßig Spiele im öffentlich-rechtlichen TV geben würde. Wenn wir in die englische Liga schauen, sind die Stadien voll. Wir denken, wenn in die Vermarktung mehr Geld gesteckt wird, wird zwangsläufig mit der Zeit mehr Geld durch Zuschauer eingenommen.

 

Was erwartet Ihr von Verbänden und Vereinen? Sollten sie sich hinter die Proteste stellen? Könnten diese Proteste langfristig etwas verändern – oder bleibt es Symbolpolitik?

Von Verbänden und Vereinen wäre zu erwarten, dass sie Faninteressen ernsthaft als Teil der Liga-Entwicklung begreifen – nicht als Störfaktor. Sie müssten zumindest gesprächsbereit sein, transparent erklären, warum Termine so gelegt werden, und gemeinsam mit Fanvertretungen nach Lösungen suchen, die Sport, TV und Stadionkultur zusammen denken. Sich pauschal hinter Proteste zu stellen ist für Clubs politisch schwierig, aber sie könnten klarer vermitteln, dass volle, stimmungsvolle Stadien auch in ihrem eigenen Interesse sind. Ob die Proteste langfristig etwas verändern? Es ist auf jeden Fall eine Form, es überhaupt zu versuchen – ohne sichtbaren Widerstand bewegt sich erfahrungsgemäß gar nichts.

 

Wie reagieren die Vereine auf die Proteste? Gibt es Dialog – oder werden Fans ignoriert? Würdet Ihr sagen, dass Vereine die Frauen-Fanszene systematisch weniger ernst nehmen als die der Männer?

Wir glauben, die Vereine nehmen die Proteste der Frauen-Fanszene durchaus wahr und registrieren, dass Montagsspiele Frust und organisatorische Probleme verursachen. Bei den Spielen Ende Januar wurde von den Protesten immer wieder in den ersten 14 Spielminuten berichtet und auch in der Halbzeitpause des ein oder anderen Spiels wurde mit Vereinsmitgliedern darüber gesprochen. Die Adressanten sind somit informiert und wir würden uns über einen Austausch mit den Verantwortlichen freuen.

Am Ende sind die Vorstände und Vereinsleitungen jedoch stark auf Einnahmen und TV-Gelder angewiesen, sodass wirtschaftliche Interessen oft stärker wirken als Fankultur. Würden wir dies jedoch still akzeptieren, gäbe es keine Möglichkeit etwas an der Situation zu ändern. Ob sie die Frauen-Fanszene „systematisch“ weniger ernst nehmen, würden wir so nicht pauschal sagen – eher ist es ein Nebeneffekt: In der Frauen-Bundesliga ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von Förderungen und Medienrechten größer, wodurch die Stimmen der Fans manchmal weniger Gewicht bekommen als im Männerbereich, wo die wirtschaftliche Basis breiter und stabiler ist.

 

Könnten Montagsspiele langfristig die junge, wachsende Fanbasis der Frauen-Bundesliga beschädigen? Was wäre die konkrete Alternative: Sollte die Liga lieber weniger Spiele live im TV zeigen, dafür familienfreundlichere Termine wählen?

Montagsspiele können die wachsende Fanbasis beschädigen, denn am Montag haben gerade Familien, auch noch private Termine im Familienleben und machen ihnen ein Stadionerlebnis schwierig. Aber auch die „aktiven Fans“ wie man im Volksmund so gerne sagt, werden an Montagsspielen auseinandergerissen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Fans der Bundesligisten oft weite Anfahrtswege zu Heimspielen haben. Viele Fans kommen nicht aus der direkten Umgebung und benötigen so Urlaubstage die ihnen für andere Angelegenheiten fehlen. Durch die Lücken im Block, ist auch die lebendige Fankultur geschwächt, was sich wiederum auf die Stimmung auswirkt und so die Mannschaft nicht wie gewünscht supportet werden kann. Unserer Meinung benötigt aber gerade die Mannschaft in gewissen Situationen den Rückhalt und die Unterstützung ihrer Fans. Ein Kreislauf der so beiden Seiten schaden kann. Die Sichtbarkeit im TV ist wichtig, jedoch ist dies aus mit spielen am Samstag oder Sonntag möglich. Dies kann man immer wieder bei Topspielen sehen, die sich den öffentlich-rechtlichen Sendern frühzeitig sichern. Die Einschaltquoten für diese Spiele sind bisher immer sehr gut gewesen.

 

Wie stark unterstützen „gemischte“ oder reine Männer-Fanclubs die Proteste? Seht Ihr hier eine gemeinsame Front – oder bleibt es ein Nischenthema?

Mittlerweile haben weit mehr als 30 Fanclubs aus den ersten beiden Ligen im deutschen Frauenfußball den Protestbrief unterzeichnet. Hier befinden sich auch einige Fanclubs, deren Fanclubbanner auch in den großen Arenen zu sehen sind. Tendenziell ist bei vielen Mannschaften zu sehen, dass die Fanbasen nach Möglichkeit sowohl bei den Herren, als auch bei den Frauen zu sehen sind. Wir denken, dass wenn der Wille da ist, auch ein Weg zu finden ist. Die Männer- Fanclubs haben bereits erfolgreich die Abschaffung der Montagsspiele erreicht, warum sollten wir dies also nicht auch erreichen können. Ob mit oder ohne deren Hilfe, werden wir dann sehen. Wir nehmen sie als Unterstützung gerne mit ins Boot und würden uns freuen, wenn auch sie ein Zeichen setzen. Vielleicht sogar mit Unterstützung in den Arenen mit Hilfe unseres Mottos: ALLE VEREINT – GEGEN MONTAGSSPIELE (im Frauenfußball). So ein Banner ist mit einer großen Szene ja schnell hergestellt, wir helfen auch gerne aus und würden unsere angefertigten den männlichen Kollegen leihen 😉